Doch heute Abend hatte die kleine Stadt etwas Melancholisches. Es war nichts los. Die bevorstehende Abreise [eines schiffs] schien dazu geführt zu haben, dass niemand etwas mit sich anzufangen misste. Überall brannte Licht, als wären irgendwelche unsichtbaren Empfänge im Gang. Die Stadt war in Schlaflosigkeit gehüllt wie in eine schweißgetränkte Decke. Von Zeit zu Zeit sausten Banden von Kleinkriminellen vorbei, die kein schlimmeres Verbrechen begingen, als zu glotzen. Wie Gelegenheitsgastwirte holten die schlaflosen Bewohner die Neuankömmlinge in ihre eigenen Wohnzimmer, setzten sich stumm zu ihnen, boten jedoch selten Alkohol an, was an dessen exorbitantem Preis lag, der nur im Dunkeln und nur mit Banknoten bezahlt wurde, da das Geräusch von Hartgeld in den stillen Weiten, unvermindert, zu weit trug.

thomas pynchon: gegen den tag

hatte die bände 1 - 6 der stadtgeschichten [ein großes vergnügen; vgl. archiv] & feuchtgebiete [braucht niemand] eingeschoben, jetzt geht es am pynchon weiter. gestern 200 seiten geschafft; eine tour de force durch naturwissenschaften geschichte aberglauben. toll.

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alexander solschenitzyn

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Beim Begräbnis meines Vaters war der Sarg geschlossen gewesen, sehr zur offensichtlichen Enttäuschung einiger Trauernder [...]. Die lautesten Einwände gegen Papas geschlossenen Sarg waren von einer Tante aus Pensacola gekommen, die auch das größte Gebinde zur Beerdigung beigesteuert hatte.

An diese Monstrosität kann ich mich besser erinnern als an alles andere an diesem Tag: Um ein Spielzeugtelefon war ein riesiger Kranz weißer Nelken gebunden worden. Auf der einen glitzernden Schleife stand: JESUS RIEF. Auf der anderen: UND HERB GAB ANTWORT.

armistead maupin: michael tolliver lebt

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armistead maupin: michael tolliver lebt

1994 erschien der 6. & letzte band der stadtgeschichten [in german, ich muss mir da mit origialinenglischlesenissjavieltoller nichts beweisen]. 2007 kam in usa der 7. band; juli 2008 die deutsche ausgabe bei rowohlt.

sehnsüchtig erwartet; heute zugeschlagen: 134/318 seiten geschafft: ein traum, schwebe auf wolke7. mit einem guten st. emilion wird hier jetzt der rest verschlungen. | no ›litterae humaniores‹ but really well made chaep literature...

ohne die 6 bände davor völlig unverständlich; die stadtgeschichten waren letztes jahr ein ›trennungsopfer‹, habe mir also heute die ursprünglichen 6 bände vorhin auchnochmal gekauft.

 

merke: in beziehungen gibt es im gegensatz zu diesem unseren lande keine ›kosten der einheit‹, sondern nur ›kollaterale kosten der trennung‹.

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Der Vierte Juli begann heiß und wurde noch heißer, Morgenlicht stieg von den Gipfeln herab und setzte sich in den wenigen hellen, wohlgeformten und keinen Regen verheißenden Wolken fest, Dynamitstangen begannen schon lange, ehe die Sonne über den Bergkamm gekommen war, Nitro auszuschwitzen. Unter Viehzüchtern und Rodeoreitern war der heutige Tag als «Cowboy-Weihnachten» bekannt, obwohl so mancher, der katholischen Glaubens war, gern einwandte, dass das eigentlich der vierte Dezember sein müsse, das Fest der heiligen Barbara, Schutzpatronin der Artilleristen, Waffenschmiede und, bei gar nicht einmal allzu großzügiger Auslegung, auch der Dynamitarden.

Heute würde jedermann, Viehtreiber und Barkeeper, Büroangestellte und schwierige Kunden, sanftmütige ältere Herrschaften und übermütiges Jungvolk mit offenem Mund, früher oder später von der vorherrschenden Dynamitmanie gepackt werden. Sie würden kleine Stücke einer Stange nehmen, Zündkapsel und Zündschnur anbringen, sie anzünden und sich gegenseitig damit bewerfen, sie in Staubecken fallen lassen und den ganzen Tag Bratfisch essen, malerische Muster in die Landschaft sprengen, die am nächsten Tag fast völlig verschwunden sein würden, sie in leere Bierfässer stecken, die dann Berghänge hinabgerollt wurden, und Wetten darüber abschließen, wie nahe sie der Stadt kommen würden, ehe das Ganze in Stücke flog - ein rundum vollkommener Tag für ein bisschen Propaganda der Tat, die sich wunderbar harmonisch mit all den anderen Erschütterungen verbinden würde.

thomas pynchon: gegen den tag

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thomas pynchon: gegen den tag

Schließlich hatte sich Dick Counterfly angesichts der unmittelbar bevorstehenden Ankunft eines Polizeiaufgebots, das von seinem Vorhaben erfahren hatte, den Staat Missisippi an ein myteriöses, chinesisches Konsortium mit Sitz in Tijuana, Mexio, zu verkaufen, rasch in die Nacht abgesetzt und seinem Sohn nichts weiter hinterlassen als eine Hosentasche voll Münzen und die wohlmeinende Ermahnung: »Muss mich verdünnisieren, Junge - schreib mir, wenn Du Arbeit hast.«

jetzt auf seite 29 von 1596: sehr gefangen von der surrealität, der sprache. mein erster pynchon, bin gespannt.

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gelesen: elisabeth george:   wo kein zeuge ist
  am ende war die tat

das erste buch vielleicht ihr bester lynley/havers-krimi [alle gelesen, alle hervorragend]; das zweite erzählt wie es zu dem letzten, tragischen mord im ersten kam: kein whodunit*, sondern eine einfühlsam erzählte studie einer familie, in der alles schiefgelaufen ist. viel gut recherchiertes london, wer die stadt kennt, weiß, daß auch die haarsträubensten dinge nicht an den haaren herbeigezogen sind. am ende laufen die fäden zusammen; die letzten 20 seiten beider bücher erzählen dann die gleiche geschichte aus 2 perspektiven.

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Autor Maxim Biller und sein Verlag müssen keinen Schadenersatz zahlen: Das Oberlandesgericht München revidiert das "Esra"-Urteil.

—>

sz

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»Ich lege Wert darauf, alle wichtigen Nahrungsgruppen zu berücksichtigen«, erklärte Barbara. »Schokolade, Zucker, Fett und Tabak.«

elisabeth george: wo kein zeuge ist

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Ich mied unsere Siedlung [...] und nahm den Umweg durch die Heide, eine begrünte Schutt- und Schotterhalde, auf der es neuerdings Trimmpfade gab und Picknickplätze aus Beton. Hier, zwischen Krüppeleichen und Holunderbüschen, habe ich vieles zum ersten Mal erlebt: Die Übelkeit nach der ersten Zigarette, den ersten Alkoholrausch, in dem ich meiner Mutter an den Kragen wollte, das erste Veilchen, die erste fremde Zunge im Mund. Trotz der Entfernung drangen von jenseits der buschigen Grube, dem sogenannten Pariser Tal, aufstachelnde Knurrlaute herüber, gezischte Kommandos, mit denen die Hundehalter ihre Tiere durch die Zuchtanlagen jagten, und ich trat aus einem Erlenwäldchen auf die Straße und überquerte den Pausenhof der Albert-Schweitzer-Schule, von deren Fassade kürzlich, Bergschäden, große Putzflächen abgefallen waren. Der so entblößte ursprüngliche Name des Gebäudes hatte viele überrascht; aber daß mein Vater, hier geboren, auf die Horst-Wessel-Schule gegangen war, wußte ich schließlich immer schon.

ralf rothmann: wäldernacht

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letzte kommentare:

Mist, jetzt seh ich das ...
dosron | Fr 10. Okt 2008 20:51
vorhalle klingt gut. da war ...
exdirk | Fr 10. Okt 2008 20:21
wenn duisburg, dann hochfeld oder ...
stapel | Fr 10. Okt 2008 19:48
duisburger häfen sind immer ne ...
don papp | Fr 10. Okt 2008 19:17
noch kein konkretes ziel. ich ...
exdirk | Fr 10. Okt 2008 18:41
ja.
stapel | Fr 10. Okt 2008 15:20
interesse ist da. wo?
don papp | Fr 10. Okt 2008 14:47
nein, da war ich bislang ...
exdirk | Do 9. Okt 2008 17:46
Asterix bei den Ägyptern.
goncourt | Do 9. Okt 2008 17:41
ah ja, stimmt, ich erinnere ...
stapel | Do 9. Okt 2008 16:59
der tip war von ihnen: ...
exdirk | Do 9. Okt 2008 13:51
rottstraße, hehe. wo treiben sie ...
stapel | Do 9. Okt 2008 13:38



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